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01.05.2010

Grundsteinlegung am Neuen Gymnasium Falkensee

Ein wenig - bilden wir uns ein - haben auch wir zu diesem Projekt beigetragen, zur Gründung des Neuen Gymnasiums in Falkensee. Und auf wundersame Weise wurde auch die Sanierung des Gebäudes schneller begonnen, als wir gedacht hatten. Der Brandschutz kam zu Hilfe.

Am 30. April nun war Grundsteinlegung des Ausweich- und Erweiterungsbaus .

"Geige mit Bagger" hat Schulrat Rosenau dies Bild genannt und gemeint, dass die Schule einen ganz fröhlichen Eindruck macht. Das stimmt.

Luftballons ließen die Schülerinnen und Schüler steigen, daran waren gute Wünsche geknüpft, Wünsche aber wurden auch dem Bürgermeister übergeben - als Papierblumenstrauß.

An dieser Stelle von uns: Erfolg und gutes Gelingen allen an der Schule Beteiligten!
Frau Kinner, die Schulleiterin, konnte krankheitshalber nicht an der Feier teilnehmen. Gute Besserung.

Falkenseer Verkehrspolitik

Stillstand kennzeichnet nicht nur manche Straße im Falkenseer Berufsverkehr - sondern auch die Verkehrsplanung

Eine zukunftsfähige Verkehrspolitik kann sich im Unterschied zum bisherigen Vorgehen nicht mehr einseitig an den Bedürfnissen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ausrichten, sondern muss zur Sicherung einer lebensfreundlichen und stadtverträglichen Verkehrsabwicklung alle Verkehrsarten gleichermaßen berücksichtigen.Wesentliche heutige Verkehrsprobleme, gerade auch hier in Falkensee, sind durch die zunehmende Dominanz des MIV aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums mit Verdichtung und das Bedürfnis des Einzelnen nach Mobilität entstanden. Ein Gesamtverkehrskonzept unter Berücksichtigung aller Verkehrsmittel und den gegebenen städtebaulichen Aspekten zwecks Analyse von Problemen und Konflikten und Entwicklung von problemlösenden Strategien in Form eines (neuen) Verkehrsentwicklungsplans (VEP) ist daher dringend erforderlich.

Bereits im Mai 1994 legte das Düsseldorf-Berliner Planungsbüro Schlegel und Spiekermann (jetzt Spiekermann, beratende Ingenieure) dazu im Auftrag der Stadt Falkensee den ersten Verkehrsentwicklungsplan für Falkensee vor. Die damalige Analyse der Verkehrsstärken und Verkehrsbeziehungen in Falkensee zeigte, dass bereits zum damaligen Zeitpunkt 94% des Gesamtverkehrs dem Binnen-, Ziel- und Quellverkehr zuzuordnen waren und der reine Durchgangsverkehr bei nur 6% lag. Dies entspricht weitgehend den aktuellen offiziellen Zahlen des Landes zur sog. Nordumfahrung; aktuell liegt hier der Anteil des Durchgangsverkehrs bei 8%.

Im Auftrag der Stadtverwaltung erfolgte im Jahre 2002 die sogenannte Novellierung des VEP. Diesmal wurde allerdings kein renommiertes Verkehrsplanungsbüro beauftragt, sonders das „Hausbüro" IDAS Planungsgesellschaft mbH aus Luckenwalde (Herr Haase), welches in Falkensee bereits an mehrere Projekten, Bebauungsplänen, Wettbewerben, etc. beteiligt war. IDAS kam bei der Verkehrsanalyse allerdings auf 20% (!)) Durchgangsverkehr. Diese Differenz lässt m.E. u.a. folgende Vermutungen zu: entweder hat IDAS nicht professionell gearbeitet oder aber die Zahlen wurden in Sinne eines Gefälligkeitsgutachtens für die Stadtverwaltung als Befürworter weiterer Straßen geschönt?! Vielleicht sollte man dazu noch anmerken, dass sich das Büro IDAS hier bislang nicht gerade durch fortschrittliche oder gar nachhaltige Verkehrsplanung und Stadtentwicklung hervorgetan hat. Mir sind dazu u.a. bekannt:

  1. der Vorentwurf 2 des BP F 9 „Falkenhagener Anger" von 2001, welcher einen Durchbau der Ringpromenade zur Falkenhagener Straße und gleichzeitig daran anschließend eine Entlastungsstraße parallel zur Falkenhagener Straße durch den Grünzug der Luchgärten über die Bahnhofstraße hinweg bis zur Spandauer Straße in Höhe des alten Fischerweges vorsah.
  2. die aktuellen Planungen zur Sportanlage an der Ringpromenade/Rosenstraße, wobei Herr Haase mit seinen Planungen über 100 Bäume fallen lassen würde, da der Istbestand überhaupt nicht in die Planung mit einbezogen wurde. Herr Haase begründet das damit, dass Bäume auf einer Sportanlage nichts zu suchen hätten. Interessant ist es vielleicht auch noch zu erwähnen, dass diese Planungen anfangs rein zufällig und gratis durch vertrautes Gespräch und freundschaftlichen Austausch mit unserem Baudezernenten H. Höhlig entstanden sind, mittlerweile aber dann doch viele zehntausende Euro an Planungskosten zu Lasten des Stadthaushaltes verschlungen haben.
  3. die Beteiligung am städtebaulichen Wettbewerb zum Erweiterungsbau des Schul- und Hortgebäudes an der Europaschule am Gutspark in 2007, wo in geheimer Wahl durch eine unabhängige Jury der Entwurf von IDAS auf Platz 5 (?) von 7 gekommen ist.

Doch zurück zur Verkehrsplanung. Wir haben es also sowohl schon 1994 als auch gegenwärtig überwiegend mit Verkehrenzu tun, die durch die Bewohner unserer Stadt selbst hervorgerufen werden, d.h. Binnen-, Ziel- und Quellverkehren. Diese Situation hat sich, was die relativen Zahlen betrifft, seit 1994 nicht wesentlich geändert. Natürlich haben die absoluten Zahlen parallel zur Bevölkerungsentwicklung und Verdichtung teils deutlich zugenommen. Zu erklären ist der geringe Anteil des Durchgangsverkehrs eigentlich denkbar einfach. Haben wir 1990 in Falkensee noch rund 22000 Einwohner gehabt, sind es nun über 40000, also praktisch eine Verdopplung auf gleicher Fläche. Es besteht weiterhin eine enge Bindung zu Berlin in Bereichen wie Arbeit, Einkaufen, Kultur, etc.. Zudem sind viele der Zugezogenen Familien mit Kindern. Es besteht daher große Nachfrage, der Wunsch und teilweise auch die Notwendigkeit nach individueller Mobilität, was zu großen Anteilen mit dem Auto als Bestandteil des motorisierten Individualverkehrs abgewickelt wird. Dadurch kommt es zunehmend gerade in den Hauptverkehrszeiten durch Berufs- und Pendelverkehr zu vollen und verstopften Strassen mit allen negativen Begleiterscheinungen wie Lärm- und Schadstoffemissionen, Unfallgefahr, Verlust an Lebensqualität, etc.

Schlegel und Spiekermann erkannten bereits 1994 das Problem der steigenden Dominanz des MIV und der unzureichenden Entwicklung der Alternativen des Umweltverbundes wie ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr. Für das Ziel einer stadt- und umweltverträglichen Abwicklung des Verkehrsgeschehens müssen daher zwei unterschiedliche Strategien verfolgt werden:

  1. nachfragedämpfende Maßnahmen wie der restriktiven Planung des motorisierten Individualverkehrs bei gleichzeitig
  2. fördernden Maßnahmen mit dem Ziel der Stärkung des Umweltverbundes, d.h. im wesentlichen des ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehrs.

Nur durch diese beiden Maßnahmen gemeinsam ergeben sich Chancen durch schrittweise Verlagerung des MIV auf Verkehrsarten des Umweltverbundes, auch zukünftig eine funktionierende sowie stadt- und umweltverträgliche Verkehrsabwicklung in Falkensee zu erreichen.

Leider ist in dieser Hinsicht in Falkensee trotz dieser frühen Problemanalyse von 1994 und der dargestellten Handlungskonzepte im damaligen VEP praktisch auch nach nunmehr 14 Jahren (fast) nichts passiert! Es ist über Jahre der MIV durch Bau neuer Straßen gefördert worden. Radfahren als Alternative wurde dabei meist gar nicht berücksichtigt bzw. als marginale Randerscheinung oder gar notwendiges Übel abgetan.

Als Radfahrer hat man in Falkensee praktisch immer das Nachsehen. Die Beispiele einer völlig verfehlten Radwegeplanung sind so zahlreich wie erschreckend. Die Facetten und Potentiale des Radverkehrs wie Freizeitverkehr, Kinder- und Schulverkehr, Einkaufsverkehr, aber auch Berufspendlerverkehr mit unterschiedlichen Ansprüchen an den Radweg und die Streckenführung sind in der Falkenseer Stadtverwaltung entweder nicht bekannt, nicht gewünscht oder interessieren schlichtweg nicht.

Es muss dringend ein geschlossenes Radwegenetz für die wichtigsten Verkehrsachsen geschaffen werden. Wo kein zusätzlicher Radverkehr wegen unzureichender Straßenbreite sicher und konfliktfrei abgewickelt werden kann, müssen entsprechende Neben- und Anliegerstraßen als Fahrradstraßen ausgebaut werden.


Dies lässt sich im Rahmen der ohnehin noch auf vielen Straßen anstehenden Befestigung relativ preiswert realisieren. Zudem würde das Schaffen von Fahrradstraßen, wie auch von Spielstraßen, den dort oft nach Ausbau zu beobachtenden massiv zunehmenden Kfz-Verkehr deutlich bremsen oder gar wieder verdrängen, da dort Radfahrer bzw. Kinder und Fußgänger Priorität gegenüber dem KFZ haben. Ein zügiger, sicherer, konfortabler und attraktiver Verkehrsfluss ohne Umwege muss für Radfahrer gewährleistet werden. Dazu müssen auch vernünftige Querungshilfen und Gleichberechtigung an Lichtzeichenanlagen geschaffen werden. Einseitige Radwege bzw. kombinierte Rad-Fußgängerwege sind unbedingt zu vermeiden bzw. allenfalls als vorübergehende Notlösung zulässig. Einbahnstraße wie z.B. die Potsdamer Straße am Bahnhof Falkensee sind in eine Fahrradstraße (mit gleichzeitiger Erlaubnis für andere Verkehrsteilnehmer) umzuwidmen und für Radfahrer in beide Richtungen freizugeben. An den Kreisverkehren müssen bis auf wenige Ausnahmen Radfahrer mindestens dem MIV gleichgestellt werden. Bei der Planung neuer Kreisverkehre dürfen Fußgänger- und Radverkehr nicht wieder völlig unberücksichtigt bleiben. Auch außerhalb der Stadt im engeren Verflechtungsraum muss sich die Stadtverwaltung für ein stimmiges Radwegekonzept einsetzen; Fehlplanungen wie z.B. die Strecke der Potsdamer Straße zum Havelpark ohne Rad- und Fußgängerweg sind zu verhindern bzw. soweit möglich schnellstens entsprechend nachzubessern. Es kann nicht länger sein, dass man in Falkensee für das Radfahren bestraft wird, während die Benutzung des KFZ immer wieder gefördert wird und dann wiederum die vollen Straßen als Rechtfertigung für den Bau neuer Straßen herangezogen werden.

Ähnliche Probleme und Umgestaltungskonzepte gelten natürlich auch für den Fußgängerverkehr, der in vielen Bereichen alles andere als attraktiv ist (fehlende Querungshilfen, baulicher Zustand, gemeinsame Nutzung mit Radfahrern, etc.).

Der ÖPNV muss ausgebaut werden, auch wenn dies sicher aufgrund der Fläche in Falkensee nur bedingt befriedigend erreichbar sein wird. Die Option von Bürgerbussen wie in Brieselang muss geprüft werden. Eine schnelle Regionalbahnverbindung nach Berlin mit häufiger Taktfrequenz muss zumindest in ihrem jetzigen Umfang erhalten bleiben.

Da die Stadt den VEP 1994 selbst in Auftrag gegeben hat und dieser der Verwaltung auch vorliegen dürfte (auch wenn er offenbar -da nicht gewollt- gleich in den Schubladen verschwunden ist), muss man daher davon ausgehen, dass die Stadtverwaltung an den o.g. Lösungskonzepten und Maßnahmenkatalogen kein Interesse hat und lieber weiter auf Verkehrskonzepte der 60iger Jahre mit Förderung des MIV durch Straßenbau setzt.

So ist auch das Drängen auf die sogenannte Nordumfahrung zu erklären, die von Seiten der Stadtverwaltung seit Jahren immer wieder gerne als die Lösung aller unserer Verkehrsprobleme propagiert wird und dies leider immer noch von vielen Falkenseern so kritiklos übernommen wird ohne die Sache anhand der Tatsachen und Zahlen selbst kritisch zu durch- und überdenken.

Sieht man sich nämlich die Verkehrszahlen und die Zugehörigkeit des Verkehrs zu Binnen-, Ziel- und Quellverkehr sowie dem geringen Anteil an Durchgangsverkehr an und betrachtet den Verlauf und die Lage der geplanten Nordumfahrung, wird schnell klar, dass die Nordumfahrung die Stadt kaum entlasten kann. Durchgangsverkehr ist nicht viel vorhanden und wie und über welche Straßen soll die Nordumfahrung denn den Falkenseer Ziel-, Quell- und Binnenverkehr aufnehmen und führen? Was sollen die Stadtbereiche südlich der Bahn überhaupt mit der Nordumfahrung „anfangen"? Schnell wird klar, dass jetzige „Durchgangsstraßen" wie z.B. die Schönwalder Straße dann zur wichtigen Zubringerstraßen werden. Der Verkehr ist dann zwar anders definiert und in gewisser Weise sogar eine Entlastung vom Durchgangsverkehr gegeben, dafür werden sich dann aber möglicherweise noch größere Verkehrsmengen in Form des Zubringerverkehrs zur Nordumfahrung über die Schönwalder Straße ihren Weg suchen. Andere bisher nicht belastete Straßen wie Havelländer Weg, Insbruckerstraße, Fröbelstraße und viele andere werden neu belastet. Auch innerorts wird es zwar Umverteilungen geben, einige Bereiche wie die Nauener Straße westl. des Gewerbegebiets-Nord werden wegen Sperrung entlastet, insgesamt wird der Verkehr eher zunehmen und viele Straßen werden neu belastet! Viele der versprochenen Entlastungen werden in einem so geringen Umfang stattfinden, dass dies subjektiv kaum oder gar nicht als Entlastung empfunden werden kann. Zudem zerschneidet und zerstört die Nordumfahrung Wohn- und Erholungs- und Naturbereiche unwiederbringlich. Weite Bereiche in Falkensee (und auch Schönwalde) werden neuen Lärm- und Schadstoffemissionen ausgesetzt. Das jetzt schon bestehende eigentliche Nadelöhr an der Spandauer Straße zwischen Kreisverkehr „Spandauer Platz" und Stadtgrenze zu Spandau wird noch mehr belastet. Das Gesamtverkehrsaufkommen im Raum Falkensee mit all seinen negativen Auswirkungen wird mit der Nordumfahrung weiter und schneller ansteigen als ohne.

In der Stellungnahme der Stadt (Stadtplanungsamt, Herr Balzer) vom 6. September 1999 zum Raumordnungsverfahren der Ortsumgehung (Nordabschnitt) Falkensee mit mehrheitlicher Befürwortung in der SVV vom 6. September 1999, steht zu lesen: „Im Ergebnis kommt der VEP zu dem Schluß, daß netzergänzende Maßnahmen allein nicht in der Lage sein werden, die prognostizierten Verkehrsmengen stadtverträglich zu bewältigen und eine „Verkehrsverlagerung" langfristig dringend geboten erscheint" (Seite 1). Hiermit impliziert die Stadtverwaltung fälschlicher- und betrügerischerweise, dass im wesentlichen Verkehrsverlagerungen auf neue Strassen und hier besonders auf die geplante Nordumfahrung als das Lösungskonzept des VEP von 1994 zu verstehen seien. Richtig ist aber, dass der VEP von 1994 in der Verlagerung des Verkehrs auf weitere und/oder neue Strassen allenfalls eine Teillösung sieht und zunächst Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund zu ergreifen sind. Es wird dort im VEP 1994 zunächst ebenfalls festgestellt, „dass netzergänzende bauliche Maßnahmen allein nicht in der Lage sein werden, die prognostizierten Verkehrsmengen stadtverträglich zu bewältigen." Dann allerdings fährt der VEP 1994 fort: "Nur eine integrierte Verkehrsplanung, die sich der eingangs formulierten Instrumente „Angebotsplanung", d.h. der Förderung des Umweltverbundes sowie ein restriktiverer Umgang mit dem motorisierten Individualverkehr bedient, erscheint in der Lage, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Gleichzeitig bedarf es einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, die auf die Notwendigkeit der Benutzung alternativer Verkehrsangebote hinweist" (VEP 1994, Seite 106).

Zur Nordumfahrung, damals als „Netzvariante III" bezeichnet, wurde im VEP 1994 von Schlegel und Spiekermann Folgendes festgestellt:

„Unter der Annahme, dass sich die Wohnbevölkerung zum Prognosezeitpunkt 2010 mehr als verdoppelt haben wird, sind allein im Binnen- sowie Quelle-Ziel-Verkehr deutliche Verkehrszunahmen zu erwarten. Mit der baulichen Umsetzung der im Netzmodell simulierten nordöstlichen „Stadttangente" sind erhebliche Aufwendungen verbunden, die sowohl einen enormen Mittelbedarf nach sich ziehen als auch einen massiven Eingriff in den Natur- und Landschaftshaushalt erstellen. Die konkreten Auswirkungen können im Rahmen dieser Untersuchung nicht abgeschätzt bzw. bewertet werden. Diese müssten innerhalb eines Linienbestimmungsverfahrens mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung detailliert analysiert und gewichtet werden. Wenn auch die verkehrliche Entlastungswirkung nicht in Frage gestellt ist, muss dennoch konstatiert werden, dass erhebliche Verkehrsmengen über das bestehende Straßennetz bewältigt werden müssen" (Seite 105).

Die Nordumfahrung, besser Nordzerschneidung, ist nicht nur in verkehrs-, umwelt- und finanzpolitischer Hinsicht Unsinn, sondern sie ist ein Verbrechen an uns und zukünftigen Generationen, was es zu verhindern gilt! Aber vielleicht wird die Nordumfahrung von Stadtverwaltung und SPD auch so propagiert, um dadurch neue Siedlungsbereiche in Falkensee zu schaffen und zu erschließen und die Einwohnerzahl noch schneller auf 50000 oder gar 80000 zu bringen und damit die sozialdemokratischen anachronistischen Betonvisionen eines urbanen Falkensees noch besser und schneller realisieren zu können!?

Die Stadtverwaltung und damit wesentlich auch die SPD in Falkensee haben es in all den Jahren nach der Wende trotz gutem problemanalysierenden und problemlösenden Maßnahmenkatalog im VEP von 1994 nicht geschafft oder sogar bewusst blockiert, Maßnahmen für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung und Planung einzuleiten oder gar umzusetzen! Als einzige umgesetzte Maßnahmen des VEP schreibt die Stadt im o.g. Schreiben des Stadtplanungsamts vom 6. September 1999 auf Seite 2: „Abgeleitet aus dem Verkehrsentwicklungsplan wurden, um Fußgänger- und Radverkehr zu fördern und die Dominanz des Kfz-Verkehrs zu verringern, in Falkensee umfangreiche Tempo 30-Zonen ausgewiesen". Wenn es nicht so traurig und real wäre, müsste man über diese so unglaubliche umfangreiche und komplexe Leistung der Stadt durch Ausweisung von Tempo 30-Zonen zur Verkehrsplanung und Entwicklung eigentlich noch irgendwie lachen müssen!

Es ist wertvolle Zeit vertan, viele unserer jetzigen Verkehrsprobleme wären durch frühzeitiges und verantwortungsvolles Handeln von Seiten der Stadtverwaltung zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen gewesen und sind daher zumindest in großen Anteilen als Versagen der entsprechenden Stellen im Falkenseer Rathaus zu sehen! Sich dann auch noch auf zahlreichen bunten Prospekten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit unverblümt als familienfreundliche und umweltfreundliche Stadt oder gar Garten- und Fahrradstadt zu präsentieren, stellen sich für mich nur noch als schamloser Populismus dar.

Falkensee braucht dringend einen neuen Verkehrsentwicklungsplan, aber bitte durch ein Büro, welches auf dem Gebiet der Verkehrsplanung langwierige Erfahrung hat und sich bereits in nachhaltiger Verkehrsplanung qualifiziert hat und entsprechende Referenzen vorweisen kann! Wir brauchen eine nachhaltige Verkehrsplanung und Entwicklung damit Falkensee für uns und folgende Generationen grün und lebenswert bleibt. Wünsche, Ideen, Anregungen und Know How der BürgerInnen dieser Stadt müssen in Diskussion und Planung mit eingezogen und berücksichtigt werden. Gerade in Zeiten steigender Benzin- und Energiepreise, welche eine zukünftige motorisierte Mobilität des Einzelnen immer fragwürdiger erscheinen lassen, sollten gigantische Straßenplanungen, die darauf abzielen Falkensee einige Minuten schneller passieren zu können, als längst nicht mehr zeitgemäß ad acta gelegt werden. Stadtverwaltung und SPD dürfen nicht länger zukunftsfähige und schon lange anerkannte und erfolgreich umgesetzte Konzepte einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung blockieren!

Dr. Guido Sutthoff
Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Falkensee
Mitglied der Bürgerinitiative Schönes Falkensee
Mitglied der Lokalen Agenda 21 in Falkensee
Mitglied in zahlreichen Umweltverbänden

         

Rahmenplan Zentrum Aufgrund seiner Geschichte ist Falkensee eine Ansammlung von Dörfern und Siedlungen, die durch die Bautätigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Gartenstadtbewegung teilweise verbunden worden sind. Ein historisch gewachsenes Stadtzentrum existiert nicht, allenfalls sind noch die Ortskerne der Dörfer Falkenhagen und Seegefeld erkennbar. Durch die Zunahme von Großeinkaufszentren auf der Grünen Wiese, zunehmende Monopolisierung des Einzelhandels und die Verbreitung von E-Commerce erleben wir auch in gewachsenen Zentren eine vorranschreitende Verödung der Innenstädte. Ein Zentrum lässt sich aber nicht nur über eine Ansammlung von Verkaufsflächen definieren, sondern sollte auch der Ort sein, wo in einem Gemeinwesen Kommunikation stattfindet. Ein Bedürfnis nach einem Zentrum in diesem Sinn  besteht ohne Zweifel  auch in Falkensee, außerdem sind die Klagen über Verwahrlosung und Verfall, Wildwuchs und fehlende ästhetische Geschlossenheit im Zentrumsbereich sicher gerechtfertigt. Ausgehend von diesen Überlegungen  begrüsst der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen eine Zentrumsentwicklung. Wir wollen ein Zentrum, welches die historisch gewachsene Realität nicht verleugnet, sondern positiv aufnimmt. Wir wollen, dass sich der Charakter von Falkensee als Stadt der Gärten auch im Zentrum wiederspiegelt, die Grünbereiche erhalten bleiben und aufgewertet werden. Wir wollen einen starken Ausbau von Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten im Zentrum, um seine Funktion als Ort der Begegnung und des Austausches herauszustellen.  Das Kernstück des Zentrums sollte sich um den Bahnhof herum konzentrieren, also auch die südlichen Abschnitte umfassen, im Norden die Bahnstraße und die Poststraße einbeziehen und sich entlang der Bahnhofstraße bis zum leider kaum noch erkennbaren Seegefelder Anger erstrecken. Wir begrüßen ausdrücklich den Versuch, besonders im nördlichen Bahnhofsumfeld Geschäfte und Dienstleister anzusiedeln. Daher greifen wir den Vorschlag der Lokalen Agenda auf, im Bahnhofsberich kleine Arcaden zu errichten. Die Stadthalle sollte zu einer Multifunktionhalle umgebaut werden, um sie sowohl für kulturelle als auch sportliche Großveranstaltungen nutzen zu können. Der Platz vor der Stadthalle sollte eine zentrale Rolle als Begegnungsstätte bekommen (Markt, Aufführungen, Sitzgelegenheiten, Cafes), eine Überarbeitung der jetzt recht trostlosen grauen Steinfläche erscheint unumgänglich. Wir unterstützen die Idee einer kleinen Galerie hinter der Seegefelder Kirche im Gutspark mit Öffnung zum Marktplatz. Allerdings ist es auch wichtig, den Park vor allzu einschneidenden Veränderungen zu schützen. Die schon vorliegenden Planungen (Trautmann-Plan) können wir deshalb auch nur partiell unterstützen. Eine zusätzliche Wohnbebauung  in dem Areal zwischen Bahnhofstraße und Akazienstraße ist sinnvoll, eine Errichtung von Wohngebäuden im Bereich der Luchgärten lehnen wir ab. Das „grüne Band“ im Stadtzentrum soll erhalten bleiben, für eine maßvolle Gestaltung als Parklandschaft oder Stadtgarten z.B. im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs oder einer LAGA sind wir offen. Wir fordern die Erschließung des „grünen Bandes“ durch Wander-, Fahrrad- und Skaterwege. Das eigentliche Sanierungsgebiet sollte im Wesentlichen nördlich des Gutsparks enden. Fehlnutzungen im weiteren Bereich können durch die Instrumente des Sanierungsrechts angegangen werden. Den momentan bestehenden Tendenzen, im zu planenden Stadtzentrum eine einseitige Förderung des motorisierten Individualverkehrs durch den Bau neuer Haupterschließungs- straßen, die Verlagerung von Verkehrsströmen in ruhige Wohngebiete und die Vorhaltung übergroßer Parkflächen zu betreiben, erteilen Bündnis 90/Die Grünen eine klare Absage. Eine vernünftige Bereitstellung von Parkraum (z.B. des Platzes an der Scharenbergstraße) oder den Bau einer Tiefgarage zur Reduzierung des Flächenverbrauchs unterstützen wir. Eine bauliche Veränderung der Kreuzung Bahnhofstr/Poststraße und eine Anbindung  des Tunnels an den Parkplatz des Akazienhofes halten wir zur Entschärfung von Verkehrsproblemen für sinnvoll.  Staßenausbau auf „Vorrat“ lehnen wir ab! Der Ausbau vorhandener Straßen setzt eine Verkehrsanalyse voraus. Sollte es gelingen, in Falkensee größere Geschäftsflächen zu vermarkten, so kann nach entsprechender Verkehrsanalyse der Ausbau vorhandener Straßen erwogen werden. Eine Erschließung des Zentrums mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist selbstverständlich, der Fahrrad- und Fußgängerverkehr hat Vorrang und ist entsprechend zu fördern. Anknüpfend an die historischen Vorgaben befürworten wir die Gestaltung des Bereiches des Falkenhagener Angers auch westlich der Bahnhofstraße. Bündnis 90/Die Grünen wünschen sich, dass die Diskussion und die Entwicklung des Stadtzentrums in den Kontext einer Diskussion um die Entwicklung der ganzen Stadt gestellt wird. Gerade in einer flächenmäßig sehr großen Gemeinde wie Falkensee muss dasVerhältnis Zentrum-Peripherie  beachtet werden. Wir sprechen uns in diesem Zusammenhang für die Beibehaltung einer guten dezentralen Versorgung mit Artikeln der täglichen Bedarfes  in jedem Stadtteil aus. Die Belastungen, die der „Peripherie“ durch die Zentrumsentwicklung entstehen  (z.B. die Verschiebung von Infrastrukturmaßnahmen, weil städtische Mittel für den Eigenanteil  der Zentrumssanierung gebunden sind) müssen klar definiert und von der Bevölkerung auch so gewollt werden. Wir begrüßen es, dass um die Zentrumsentwicklung eine recht breite öffentliche Debatte in Gang gekommen ist. Diese Debatte werden wir weiter führen und die weiteren Planungen begleiten. Angenommen auf der Sitzung des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Falkensee am 22.4.04

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