08.10.26 –
Als wollte Mutter Erde uns heute mitteilen, wie traurig sie die Entscheidung der Nauener Stadtverordneten zur Ablehnung einer Gleichstellungsbeauftragten stimmt, erwartet uns heute ein trister, grauer Herbsttag.
Worum geht es?
Seit mehr als 30 Jahren haben Gemeinden mit eigener Verwaltung und Ämtern Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen.
Und Nauen? Zero. Null. Nada
Etwa vor 5 Jahren wurde die Stelle zweimal ausgeschrieben, konnte jedoch leider nicht besetzt werden. Danach wurde meiner Kenntnis nach nicht einmal mehr nach einer Gleichstellungsbeauftragten gesucht
Die überwiegende Mehrheit unserer Nachbargemeinden im Havelland zeigt, es geht auch anders. Falkensee, Wustermark, Brieselang, Dallgow-Döberitz, Ketzin, Milower Land, Schönwalde-Glien, Nennhausen…haben Gleichstellungsbeauftragte.
Für Premnitz (aktuelle Stellenausschreibung) und die Ämter Rhinow und Friesack lässt sich keine aktuelle Besetzung feststellen.
Erst mit dem neuen Bürgermeister wurde im April diesen Jahres wieder die Stelle der ehrenamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten über einen Zeitraum von mehr als einem Monat ausgeschrieben. Es gab eine Bewerberin.
Aber brauchen wir überhaupt eine Gleichstellungsbeauftragte? Ist Gleichstellung denn noch ein Thema?
Schließlich gibt es doch bereits Frauenberatung, Familienberatung, einen Pflegestützpunkt und Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt. Ja, die gibt es, und das ist gut so. Diese Angebote richten sich überwiegend an Menschen, die bereits Unterstützung benötigen oder Gewalt bereits erleben mussten.
Gleichstellungsbeauftragte dürfen und sollen auf Benachteiligungen aufmerksam machen. Wenn es im Alltag nebenbei funktionieren würde, dann hätten wir im Gleichstellungsdatenreport Brandenburg 2025 andere Ergebnisse.
Im Havelland arbeiten Frauen wesentlich häufiger in Teilzeit als Männer, mit entsprechenden möglichen Folgen für Einkommen, wirtschaftliche Unabhängigkeit und spätere Rentenansprüche. In Brandenburg sind rund 80 Prozent der in der gesetzlichen Rentenversicherung erfassten nicht erwerbsmäßigen Pflegepersonen Frauen. Und in den Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen Brandenburgs war nach der Kommunalwahl 2024 gerade einmal rund ein Viertel der Mandate mit Frauen besetzt.
Natürlich kann eine ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte diese Unterschiede nicht im Alleingang beseitigen, geschweige denn sämtliche Probleme lösen. Sie entscheidet weder über Kitaplätze noch über Busfahrpläne oder den städtischen Haushalt. Aber sie kann auf Benachteiligungen aufmerksam machen, Fragen aufwerfen, die sonst möglicherweise niemand stellt, und dafür sorgen, dass diese Themen in der kommunalen Politik überhaupt Raum und Aufmerksamkeit bekommen.
Die Mehrheit der Stadtverordneten hat sich gestern Abend gegen diese Möglichkeit entschieden.
Ein Wort an eben diese Stadtverordneten (die Fraktionen AfD, Bauern/FDP, CDU und Ländliche Wählergemeinschaft Nauen):
Wie soll es weitergehen? Soll die Position erneut ausgeschrieben werden? Wann? Wie sollen geeignete Bewerberinnen gewonnen werden? Und wie wird bis dahin gewährleistet, dass Gleichstellungsfragen in den kommunalen Entscheidungen angemessen berücksichtigt werden?
Darauf sollten die Menschen in Nauen Antworten bekommen.
Wenn Sie künftig davon sprechen, Ihre Entscheidungen zum Wohle der Stadt Nauen und ihrer Einwohner zu treffen, dann muss man sich nach dieser Abstimmung wohl fragen, ob Sie das tatsächlich genauso meinen.
Zum Wohle der Einwohner. Nicht der Einwohnerinnen.
Zur Transparenz: Die Bewerberin, über deren Benennung die Stadtverordnetenversammlung abgestimmt hat, war ich, Josie Paulsen. Bei einer erneuten Ausschreibung werde ich nicht mehr für diese Position zur Verfügung stehen. Ich persönlich halte es nicht für miteinander vereinbar, mich öffentlich für die Besetzung einer Stelle einzusetzen, auf die ich mich anschließend selbst erneut bewerbe. Mein Einsatz für eine Gleichstellungsbeauftragte in Nauen bleibt davon unberührt. Bleibt zu hoffen, dass sich nicht erst in weiteren fünf Jahren wieder eine Frau findet, die bereit ist, sich ehrenamtlich als kommunale Gleichstellungsbeauftragte zu engagieren.
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Der Vorstand des Ortsverbands wurde am 10. April 2025 in Nauen gewählt. Er besteht aus vier gewählten, gleichberechtigten Mitgliedern, ist auf zwei Jahre gewählt und trifft sich regelmäßig.
Er lädt zu Mitgliederversammlungen des Ortsverbands, anderen Veranstaltungen und Aktivitäten ein.
Die Mitgliederversammlungen finden in Präsenz oder in Remote statt.
Sie haben eine Frage, Anregungen, Kritik oder wollen an der Ortsmitgliederversammlung teilnehmen?
Dann melden sie sich gerne beim Ortsvorstand: vorstand-nauen@gruene-havelland.de
Demokratie ist bunt. Sie funktioniert am besten dann, wenn sich viele Menschen für sie aktiv einsetzen und sie gemeinsam gestalten.
Mir ist wichtig, dass in einer Demokratie niemand auf der Strecke bleibt und Menschen in ihrer ganzen Vielfalt gehört und gesehen werden. Für mich gehört es selbstverständlich dazu, dass wir unsere Lebensgrundlage, unsere Umwelt, schützen und uns für lebenswerte Räume für alle Menschen und alles Leben einsetzen.
Ich bin im Land Brandenburg geboren und aufgewachsen. Meine Familie hat Widerstand gelebt und Repressalien ertragen. In diesem Teil Deutschlands war meine Generation die erste, die frei wählen durfte, welche Wege sie geht.
Wenn wir wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich so weiter machen wie bisher, sind wir auch die letzte Generation gewesen, der die Welt offen stand. Demokratie funktioniert dann, wenn Menschen für ihre Gestaltung in die Hand nehmen. 2024 bin ich Bündnis 90 / die Grünen beigetreten, um mehr Farbe in meinen Wohnort Nauen zu bringen.
Das politische Klima, das Erstarken antidemokratischer Kräfte und der Verlust grüner Repräsentanz im Landtag haben mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.
Als Sprecherin der neu gegründeten Ortsgruppe Nauen möchte ich dazu beitragen, dass grüne Politik vor Ort wieder sichtbar, nahbar und wirkungsvoll wird. Ich wünsche mir eine Anlaufstelle – für alle, die Fragen haben, Ideen einbringen möchten oder Lust haben, sich zu engagieren. Denn Politik beginnt mit Begegnung. Nauen soll ein Ort sein, in dem sich alle gesehen und gehört fühlen – und an dem wir gemeinsam an einer guten Zukunft arbeiten. Dafür möchte ich mich einsetzen: verbindend, ermutigend, offen – und immer mit euch zusammen. Nauen. Aber für alle.
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