Grüne Havelland

Kreisverband Havelland

Interview zu aktuellen Herausforderungen für uns Menschen und BÜNDNIS '90/DIE GRÜNEN

Dr. Ernst Paul Dörfler: „Mit Optimismus und Enthusiasmus selbst etwas bewegen!“

15.04.26 – von UW, AT, PH –

Der Bündnisgrüne Kreisverband Havelland veranstaltete gemeinsam mit anderen Natur- und Umweltschutzorganisationen einen Rundgang um den Falkenhagener See mit dem mehrfach ausgezeichneten Dr. Ernst Paul Dörfler. Der Buchautor, bundesweit gefragter Referent, Naturführer und ehemaliger Politiker, beantwortete dem freien Journalisten Uwe Hoffmann dabei einige Fragen. Bei diesen ging es um Dörflers jahrzehntelangen Einsatz als Umwelt- und Naturschützer, sein Wirken als Mitbegründer der Grünen Partei in der DDR und seine bis heute bestehende Parteimitgliedschaft. Zudem lagen aktuelle Herausforderungen für die Menschen und auch für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Fokus des nachfolgenden Gesprächs:

UH: Wer/was hat dich für die Natur und Umwelt und deren Schutz geprägt?

EPD: Meine Kindheit, mein Studium, mein Leben. Ich bin auf einem Klein-Bauernhof aufgewachsen. Wir haben von der Natur gelebt. Das habe ich gelernt und das war mein Kapital, das ich in das Leben mitgenommen habe. Schon zu DDR-Zeiten (1983) bin ich ausgestiegen. Und ohne Einkommen, mit Familie mit zwei Kindern, trotzdem überlebt habe. Die Abhängigkeit von der Natur, die habe ich von Kindesbeinen an gelernt.

UH: Die Liebe zur Elbe, gegen deren geplanten Ausbau, ist eines deiner zentralen Themen.

EPD: Ich habe mich [als studierter Ökochemiker] im Institut für Wasserwirtschaft in Magdeburg mit Schadstoffen in der Elbe beschäftigt. So habe ich Dinge erfahren, die keiner wusste, musste schweigen, schweigen und wurde hoch sensibel. Fünf Jahre habe ich das ausgehalten. Dann wurde ich krank und stieg aus. 

UH: Du wurdest 1950 in Kemberg (bei Wittenberg) geboren, lebst seit 1984 (überwacht durch Staatssicherheit) als freier Autor, Referent und Naturführer und wieder auf einem Bauernhof als Selbstversorger, unterstützt durch deine Frau Marianne, in Steckby, mitten im Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Was ist für dich das Besondere an diesem Großschutzgebiet?

EPD: In der Theorie ist ein Biosphärenreservat eine tolle Erfindung, in dem es um ein harmonisches Zusammenwirken zwischen Mensch und Natur geht. In den größten Teilen soll eine Bewirtschaftung erfolgen - nach ökologischen Gesichtspunkten. Und das ist eben die Schwäche. Dies passiert kaum bis nicht. Es wird ja nach wie vor intensiv gewirtschaftet, dass eigentlich die Idee des Biosphärenreservats mehr auf dem Papier steht.

UH: „Mittlere Elbe“ ist Teil des 1997 anerkannten Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe. Nach ersten Schutz-Anfängen 1979 wurde es 1990 eingerichtet. Du hast daran mitgewirkt?

EPD: Das war aus meiner Sicht die leichteste Übung. Es gab Konsens zwischen Bundesrepublik und DDR, dass wir Großschutzgebiete als Wiedergutmachung für die vielen Umweltschäden brauchen. Da gab es parteiübergreifende Zustimmung. Ich musste gar nicht kämpfen. Viel Arbeit geleistet werde musste, um die ganzen Formalitäten auf den Weg zu bringen. Da hat das Bundesumweltministerium Töpfer Unterstützung geleistet.

EPD holt weiter aus: Mein eigentliches Problem war die Energiewende 1990. Das war mein Hauptkampffeld. Ich wollte raus aus Kohle, Öl und Gas, rein in Wind und Sonne. Der Bundestag hatte damals auf Grundlage wissenschaftlicher Ergebnisse einer Enquete-Kommission, im Konsens aller Parteien, auch CDU/CSU, beschlossen: wenn wir so weitermachen, geht es zu hoch mit den Treibhausgasen. Wir müssen bis 1995 damit runter. Aber Bundeskanzler Kohl wollte keine „Experimente“. Der „rechte Flügel“ arbeitete mit der Angst, die „Lichter gehen aus“. Das hatte verfangen. Und die westdeutschen Stromkonzerne hatten schon lange vor dem Beitritt die DDR-Stromversorgung übernommen. Die hatten gar keine Lust für erneuerbare Energien was zu machen, ihr altes Geschäftsmodell weiter betreiben und halt Geld machen. Da habe ich die schwerste Niederlage erlitten. Trotz großem Einsatzes. Ich war der Einzige, der dieses Thema überhaupt in die Politik brachte. Heute haben wir 60 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren. Die Lichter sind nie ausgegangen. Das zeigt, dass wir eigentlich damals auf dem richtigen Weg waren. Wir hätten heute die billigste Energie weltweit, wenn wir diesen Weg langsam eingeschlagen hätten, die modernsten Technologien, eine friedlichere Welt. Und hätten nicht jedes Jahr Jahr 80 Milliarden Euro für Kohle, Gas und Öl überweisen müssen. Davon müssen wir schnellst möglichst weg. Die Rohstoffe Wind und Sonne haben wir hier - unbegrenzt.

UH: Wie siehst du heute Heimat, deine Umwelt? Wie schaust du auf die Welt?

EPD: Ich bin Realist. Ich sehe was passiert und nehme es auch zur Kenntnis. Ich vermittle mein Wissen. Das ist mein Job jetzt. Aber ich vermittle keinen Pessimismus. Das hilft weder mir, noch Anderen, noch unserer Welt. Ich suche immer nach Wegen, wie wir selbst wirksam werden können. Da gibt es so viel Möglichkeiten. Man muss nicht nur Richtung Politik schauen - wir selbst können ganz viel bewegen - für Natur, Umwelt, Klima und Gesundheit. Das sind die vier wichtigen Themen, die ich bearbeite. Und wenn ich mich dafür engagiere, tue ich für meine eigene Gesundheit was Gutes. Und für meine Kinder sowieso.

UH: Was möchtest du jüngeren Menschen mitgeben?

EPD: Kommt raus aus euren „Rückzugshöhlen“, raus ins Freie! An die Frischluft, an die Sonne. Das tut euch gut und öffnet eure Sinne für das, was da draußen passiert. Das ist gut gegen Vereinsamung und Depressionen - Dinge, die auch die junge Generation betreffen.

UH: Du warst am „Zentralen Runden Tisch“ der DDR, in Volkskammer und Bundestag. 1990 hast du der Politik - enttäuscht? - den Rücken gekehrt.

EPD: Ich bin aus dem Bundestag rausgegangen. Ich hatte keine Perspektive. Was sollte ich da noch 'rumsitzen. Ich habe alles gegeben, was ich geben konnte für diese Energiewende, für den ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft. Ich habe gesehen: es ist aussichtslos in diesem Parlament und auch nach den gesamtdeutschen Wahlen, dass meine Ideen auch nur ansatzweise umgesetzt werden. Deswegen meine Schlussfolgerung: ich muss da weiter, was ich zuvor machte - vor Ort, was mit Menschen selbst bewegen.

UH: Du hast die Grüne Partei der DDR 1989/1990 mitbegründet. Mit welchen Hoffnungen?

EPD: Das war in einer Berliner Kirche. Mit vielleicht 100 Gleichgesinnten. Mit großem Enthusiasmus. Mit allen Hoffnungen dieser Welt. Die Mauer war gefallen, die SED-Diktatur weg. Die Freiheit war da. Wir konnten frei denken, den Mund aufmachen. Wir waren der Überzeugung, dass unsere Argumente die besseren sind. Bei den ersten Wahlumfragen im November 1989 lag das gesamte Spektrum Grüne und Bürgerbewegungen bei 20 Prozent. Dann kam Helmut Kohl und alles hat sich gedreht. Da war ich sprachlos und so was von deprimiert.

UH: Was würdest du Bündnis '90/Die Grünen heute mitgeben? Auch für Wahlkämpfe, in denen du dich ja noch engagierst, um politisch wirksamer zu werden.

EPD: Auf die Menschen zugehen, mit den Menschen reden, ihnen zuhören. Und aber auch richtig stellen. Es gibt so viele Zuschreibungen für die Grünen, die nicht zutreffen. Die Grünen sind nicht so, wie bestimmte Medien oder rechte Parteien ihnen zuschreiben. Wir Grünen sind, mit unseren Themen, DIE Zukunftspartei, die an das Wohl der Kinder und Enkel denkt. Es geht um die wichtigsten Fragen unserer Zeit. Die Grünen sind da die Einzigen, die diese Fragen ernsthaft anpacken und sich nicht von Stimmungen leiten lassen, sondern wissenschaftsbasiert arbeiten. Jeder, der Kinder hat, sollte sich genau überlegen, wen er wählt. Meine Überzeugung ist, auch zum Wohl der Kinder, „Grün“ zu wählen.

Kategorie

Demokratie | Fragen und Antworten | Klima | Kreisverband Havelland | Soziales | Umwelt

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