25.08.26 –
Stammtisch-Gespräch zum Thema Energie mit Michael Kellner (MdB) und weiteren Gästen
Unser Kreisverband lud zum Stammtisch „Energiegespräch – unsere Chance für Unabhängigkeit, Jobs und Klima“ mit Bundestagsabgeordneten Michael Kellner, dem Grünen Fachmann Philip Hiersemenzel (Co-Sprecher der BAG Energie) und Unternehmer Michael Stober ein. Rund 30 Interessierte kamen in den Musiksaal, Am Gutspark in Falkensee.
Die erste Fragerunde wurde moderiert von Co-Sprecher, Frank Voßnacker, und Anja Stamm, Beisitzerin im Kreisvorstand und Energieexpertin. Dann waren unsere Gäste dran und konnten Fragen stellen. Spannende Aspekte rund um den Energiemarkt, um Resilienz und Unabhängigkeit von fossilen Importen, aber auch was es für Mieter bedeutet, auf erneuerbare umzustellen bzw. davon abhängig zu sein, dass es der Vermieter macht, kamen zur Sprache.
Michael Kellner antwortete auf eine Frage zur Energieabhängigkeit, dass die deutschen Gasspeicher aktuell nur zu 50 Prozent gefüllt sind. Viel weniger als bei Robert Habeck jemals. Wirtschaftsministerin Reiche schafft es nicht, sie zu füllen. Grund ist der Krieg im Nahen Osten. Wir sind bei Energie nicht unabhängig! Und dennoch baut Katherina Reiche die Förderung von Solaranlagen, wie auf Hausdächern ab. Lässt uns in der Abhängigkeit von Öl und Gas. Nicht nur die Klimakrise macht den Ausstieg aus fossilen Energieträgern nötig!
Auch finanziell ist es mittel- und langfristig absolut notwendig. Philip Hiersemenzel ergänzte: 70 Prozent des deutschen Gesamtenergiebedarf werden importiert, zumeist fossil – mit Kosten von rund 70 Milliarden Euro in 2025. Nur 37,5 Milliarden Euro wurden dagegen in erneuerbare Energien investiert. Nur etwas mehr als die Hälfte der Kosten für den fossilen Einkauf werden in den Ausbau erneuerbarer Energien und die notwendige Infrastruktur gesteckt.
Bei Strom liegt der Anteil regenerativer Energien bei 60 Prozent, beim Gesamtenergieverbrauch nur bei 22 Prozent. Um unabhängig von Autokratien und den damit zusammenhängenden Preisen zu sein, braucht es viel mehr Investition in den Ausbau von Wind und Solar, aber auch in die Infrastruktur. Bei fossilem Gas zu bleiben, wird am Ende am teuersten sein. Denn es kostet noch viel mehr, als den Preis für das Gas selbst.
Michael Stober, der das Landgut Stober inzwischen fast ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt, berichtete von seinen Erfahrungen. Das Landgut wird mit einer Hackschnitzelheizung mit Hackschnitzeln aus einem Möbelwerk beheizt mit einem Megawatt Leistung. Die Ersparnis gegenüber Öl/Gas liegt pro Jahr bei über 400.000 Euro. Die 900 Quadratmeter PV-Dach-Anlage baut er jetzt auf 3.000 aus, dazu einen Speicher von einem Megawatt. Ersparnis, bei einer Gesamtinvestition von einer Million Euro, jährlich 200.000 Euro Stromkosten und Energieautarkie zwischen März und Oktober. Sein Ziel ist die komplette Autarkie im Energiebereich, Strom und Wärme. Seine Erfahrung: Mit Nachhaltigkeit spart man mittel- und langfristig richtig viel Geld.
Teuer ist im Moment nicht der Ausbau von Windparks oder Solaranlagen. Teuer ist die Investition ins Energiemarktdesign: „Also alles zusammenstöpseln.“
„Die Volkswirtschaft, die das am besten hinbekommt, wird sich international durchsetzen.“, sagt Philip Hiersemenzel als es um Wirtschaftlichkeit und neue Jobs ging. Denn hier wird Ingenieursleistung, Innovationsleistung, hier wird Energiehandwerk gebraucht. In den letzten zehn Jahren verzeichnen wir ein Wirtschaftswachstum im Bereich erneuerbarer Energien von jährlich durchschnittlich fünf Prozent – hier profitiert besonders der Handwerksbereich.
Ein anderer spannender Aspekt, über den auch immer mal wieder diskutiert wird und im Hinblick auf Speicherkapazität nicht zu vernachlässigen ist, sind E-Autos mit ihren Batterien. Zu 90 Prozent stehen Autos nur rum. Wenn nur die Hälfte der zugelassenen Autos in Deutschland E-Autos wären und ihre Batteriespeicher intelligent als temporäre Speicher vernetzt werden, kommt richtig viel zusammen, rechnet Michael Stober.
In den letzten zwei Monaten wurden deutschlandweit schon mehr E-Autos als Verbrenner zugelassen. Worüber sich Michael Kellner besonders freut, denn die Wirkungsgrade liegen bei Verbrennern bei 20 Prozent, bei E-Autos bei 80. Heißt, ein Verbrenner fährt als kleine Heizung durch die Gegend, weil verbrennen viel Wärme erzeugt…
Damit Energie für alle bezahlbar bleibt und Ressourcen geschont werden, dürfen Aspekte wie Sharing-Angebote oder Energie sparen nicht vernachlässigt werden. Eine Forderung der Grünen, zur Senkung der Stromsteuer angesichts der durch Inflation getriebenen Preise für fossile Energieträger würde bei allen ankommen. Energiespeicher können Börsen-Preisschwankungen ausgleichen. Wir diskutierten noch gemeinsam Wohnungsgenossenschaft, die mit Dach-PV-Anlagen billigeren Strom an die Mieter weitergeben, neue Rechenzentren in der Region für die eine intelligente Nutzung der Abwärme nötig ist, über Nah- und Fernwärmenetzausbau, die Entwicklung von Technik auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien als Exportschlager oder die Grüne Forderung regionaler Stromtarifzonen.
Mit unserem alten Energiewirtschaftssystem sind wir am Ende. Wir brauchen eine Bewusstseins-Änderung! Darin waren sich alle einig.
Michael Kellner (GRÜNE):
Michael Stober (SPD):
Philip Hirsemenzel (GRÜNE):
Fotos ©: Uwe Hoffmann, freier Journalist
vor dem Gespräch: Moderatorin/Grünes Kreistagsmitglied Anja Stamm mit Unternehmer Michael Stober („Landgut Stober“)
vor dem Gespräch: BAG-Energie-Sprecher Philip Hirsemenzel, Moderator/Kreissprecher Frank Voßnacker, MdB Michael Kellner (v.li.)
Fragerunde an die Podiumsmitglieder: BAG-Energie-Sprecher Philip Hirsemenzel, Moderator/Kreissprecher Frank Voßnacker, MdB Michael Kellner (v.li.)
während der Diskussion: MdB Michael Kellner
Blick in die Diskussionrunde
Kreissprecherin Dr. Antje Töpfer holt die erste Frage von Gast/Energietechniker Martin Eiselt ein
nach der Diskussion: MdB Michael Kellner (Mitte) im Gespräch mit Havelländer Kreissprechern Dr. Antje Töpfer und Frank Voßnacker
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Treffpunkt ist der Bahhofsvorplatz
Gemeinsam für ein buntes und offenes Rathenow!
Sehr gerne sind wir für euch da und öffnen unser Grünes Büro. Schaut in unsere Termine, wann etwas los ist und welche Veranstaltung euch interessiert. Wenn ihr ein ganz persönliches oder individuelles Anliegen habt, dann schreibt uns gerne und wir machen einen Termin aus.
Euer Kreisvorstand
Bündnis 90/Die GRÜNEN
Kreisverband Havelland
Potsdamer Str. 10
14612 Falkensee
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