18.06.26 –
Wie gestalten wir ein gerechtes, nachhaltiges und widerstandsfähiges Brandenburg? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 150 Teilnehmer*innenbei der Zukunftswerkstatt von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg am 6. Juni 2026 im Rofinpark in Eberswalde. Anknüpfend an die Tradition der Sommerkonferenzen brachte das neue Format engagierte Mitglieder, Expertinnen, Kommunalpolitiker*innen, Verbände, Initiativen und zahlreichen Gäste zusammen. Allein aus dem Havelland sind wir mit 14 engagierten und durchaus neugierigen Mitgliedern angereist. Sogar mit dem Rad.
Martin: „Meine Anreise aus Falkensee mit dem Fahrrad war ein Genuss, weil sie durch Wälder, Wiesen und Felder verlief und der abwechselnde Duft von Jasmin, Linde, Roggen und einigen Anderen betörte.“
Die erfreulich hohe Beteiligung an einem sonnigen Junitag zeigte: Das Interesse am gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren über die Zukunft unseres Landes ist groß. Auch die Anwesenheit von sechs Bundestagsabgeordneten sowie zahlreicher Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft und Verbänden unterstrich die Wertschätzung für unsere Grüne Zukunftswerkstatt.
Bereits das Eröffnungspanel setzte einen starken Akzent. Unsere Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Britta Haßelmann, analysierte die aktuelle politische Lage in einer tollen ruhigen und unaufgeregten Art, ordnete Herausforderungen und Entwicklungen ein und beantwortete die Fragen der Teilnehmenden souverän. Viele nahmen aus diesem Auftakt neue Perspektiven und Motivation für die politische Arbeit mit.
Im weiteren Verlauf des Tages boten zahlreiche Workshops Raum für fachlichen Austausch, kontroverse Debatten und die Entwicklung konkreter Ideen. Auch die Führung durch die Rofinpark war superinteressant und die Idee wurde geboren, mit der Eigenregie Rehfelde die Dächer mit PV zu belegen. Mal schauen, ob daraus etwas wird.
Sabine: "Eine tolle Location, gegenseitiges Informieren und konstruktive Gespräche: Es hat mir Spaß gemacht, konkrete Impulse so zu entwickeln."
Zukunftsfeste Sozialsysteme und gute Arbeit
Im Workshop zur Zukunft der Rente diskutierten die Teilnehmenden mit Prof. Armin Grau, sozialpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, und Norman Asmus, Seniorenbeauftragter des Landes Brandenburg. Deutlich wurde dabei, dass die Stabilität der Rentenversicherung eng mit einem starken Arbeitsmarkt verbunden ist. Insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte spielt dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wurde betont, dass die gesetzliche Rentenversicherung zwar vor großen Herausforderungen steht, ein Zusammenbruch jedoch keineswegs bevorsteht. Gerade in Brandenburg, wo viele Menschen kaum auf private Vorsorge oder größere Vermögen zurückgreifen können, bleibt die gesetzliche Rente die zentrale Säule sozialer Sicherheit. Da von einer „Grundsicherung“ zu sprechen ist fahrlässig.
Martin: „Der erste Workshop zum Thema Rente enthielt viel Bekanntes, aber die Idee, auch für ehrenamtliche Tätigkeit Rentenpunkte erwerben zu können, war für mich neu.“
Auch der Workshop von GewerkschaftsGrün stieß auf großes Interesse. Gemeinsam mit Benjamin Roscher, stellvertretender Landesbezirksleiter von ver.di, wurde über aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt diskutiert. Themen waren unter anderem Teilzeitmodelle, die Zukunft sozialer Sicherungssysteme, die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt sowie Strategien zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften in ländlichen Regionen. Ein zentrales Ergebnis für uns Bündnisgrüne: Neben der Verteidigung sozialer Errungenschaften braucht es eine positive und mutige Erzählung für die Arbeitswelt der Zukunft.
Gesundheit neu denken: Prävention stärken
Der Workshop „Warum wir mehr Prävention im Gesundheitswesen brauchen“ mit Ursula, unserer Gesundheitsministerin a.D., fand in einer originellen Werkstatt statt. Im Mittelpunkt stand, wie ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen aussehen kann. Unter der Moderation von Sylvana Specht wurden aktuelle Daten und internationale Vergleiche vorgestellt und intensiv diskutiert.
Die Zahlen machten deutlich: Deutschland verfügt zwar über das zweitteuerste Gesundheitssystem nach den USA, erreicht bei vielen Gesundheitsindikatoren jedoch nur durchschnittliche Ergebnisse: bei der Lebenserwartung liegen wir auf Platz 44. Gleichzeitig wird nur ein sehr kleiner Teil (0,2 %) der 500 Mrd., die jährlich ins Gesundheitswesen fließen, für Prävention ausgegeben. Die Diskussion zeigte, wie stark Gesundheit von sozialen Lebensbedingungen abhängt und dass wirksame Verhältnisprävention mutige politische Entscheidungen erfordert, die sich gegen mächtige wirtschaftliche Interessen durchsetzen müssen. Selbstverpflichtungen der Industrie (Zuckergehalt, Kennzeichnung) erweisen sich als unwirksam. Einigkeit bestand darüber, dass Prävention künftig einen deutlich höheren Stellenwert erhalten sollte.
Resilienz gemeinsam gestalten
Maria: "Es hat mich inspiriert zu sehen, wie viele Synergieeffekte entstehen, wenn Expert*innen und kommunalpolitisch Aktive gemeinsam umsetzbare Ideen für mehr Resilienz entwickeln." Im Workshop Sozial. Solidarisch. Sicher. widmeten wir uns der Frage, wie Kommunen, Gesellschaft und Infrastruktur widerstandsfähiger werden können. Wir diskutierten Bevölkerungsschutz aus einer sozialpolitischen Perspektive heraus. Jenseits von THW und Feuerwehr ging es um starke Nachbarschaften für mehr Resilienz im Alltag und im Notfall. Was brauchen wir an sozialen Netzwerken, wie kommunizieren wir im Notfall am schnellsten und sichersten, um auch alle zu erreichen? Die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven machte deutlich, welches Potenzial entsteht, wenn Fachwissen und praktische kommunalpolitische Erfahrungen zusammenkommen.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Im Workshop „Schöne neue Welt?“ diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Marie Schäffer und dem Bundestagsabgeordneten Moritz Heuberger über Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz.
Ein breiter Konsens zeichnete sich ab: KI kann Menschen unterstützen, darf sie aber nicht ersetzen. Entscheidungen mit Auswirkungen auf Menschen müssen letztlich von Menschen verantwortet werden. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass algorithmische Systeme bestehende Vorurteile verstärken können, wenn sie nicht sorgfältig kontrolliert werden. Deutlich wurde außerdem, dass viele Verbesserungen in Verwaltung und öffentlichen Dienstleistungen bereits durch bessere digitale Prozesse und Schnittstellen möglich wären – ganz ohne den Einsatz von KI.
Guter Ganztag braucht starke Netzwerke
Mit dem ab 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung beschäftigte sich der Workshop der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung. Gemeinsam mit Dr. Andrea Lübcke (MdB), Juliana Meyer (Landesvorsitzende) und Ronny Mildner vom inklusiven Campus Berlin-Spandau diskutierten die Teilnehmenden kommunale Handlungsmöglichkeiten für die Umsetzung eines qualitativ hochwertigen Ganztags.
Ein wichtiges Ergebnis war, dass die Erfahrungen bestehender Ganztagseinrichtungen stärker genutzt werden sollten. Schulen, Horte und weitere Träger müssen besser vernetzt werden, um voneinander zu lernen und gemeinsame Konzepte zu entwickeln. Gerade in ländlichen Regionen können Schulen dabei weit mehr sein als Lernorte: Sie können zu lebendigen Begegnungszentren werden, die lokale Initiativen, Vereine und Netzwerke aktiv einbinden.
Ein Tag voller Ideen und Begegnungen
Die Zukunftswerkstatt 2026 hat gezeigt, wie groß das Bedürfnis nach Austausch, gemeinsamer Problemlösung und politischer Gestaltung ist. Die besondere Atmosphäre des Rofinparks, die Vielfalt der Themen und die Offenheit der Diskussionen machten die Veranstaltung zu einem Ort des Lernens, Vernetzens und Weiterdenkens.
Wir Havelländer*innen gingen mit neuen, konkreten Impulsen und frischer Motivation nach Hause. Die Zukunftswerkstatt hat damit eindrucksvoll bewiesen: Die besten Ideen für die Zukunft entstehen dort, wo Menschen zusammenkommen, Erfahrungen teilen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Kategorie
Bildung | Demokratie | Klima | Kreisverband Havelland | Mitmachen | Politik | Soziales | Umwelt
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